A bisserl Bayern im Münsterland – oder: Wenn d’Münsterländer auf einmal bayerisch san!

Text und Fotos: Elke Kemler-Ransmann

Unser Herrgott muaß a Münsterländer sei!

Anders kann ma’s ja fast ned erklären, dass am vergangenen Dienstag – und des immerhin am 15. September! – d’Damen von der DiDaGo (Dienstag-Damen-Golfgruppe), bei allerherrlichstem  Spätsommer-Kaiserwetter ihr 9-Loch-Turnier auf  der wunderschönen Anlage vom Golfclub Münsterland e.V. im fürstlichen Bagno veranstalten konnten. Er bescherte uns einen Spätsommertag, dass ma glatt meinen könnt, mir san am Chiemsee und ned im Münsterland.

„O’zapft ist! Servus und Hallo zur Brezn’ Gaudi“

Aber Vorsicht: Wer jetzt meint, des war bloß a ganz gewöhnliches Golfturnier, der liegt aber so was von daneben! Unter’m Motto: „O’zapft is! Servus und Hallo zur Brezn-Gaudi“ hatte das Ladies-Captain-Team um Hanne Günsternämlich die Männer der HeNaMi Gruppe, Herren-Nachmittag-Mittwoch-Gruppe, wobei auch viele Ehe- und Lebenspartner der spielenden Damen waren, mit zu dem Turnier eingeladen. Und die Buam ließen sich natürlich ned  zweimal bitten. Ganz nach bayerischer Art kamen’s zahlreich daher. 

Es war a Pracht!

Wahlweise in prächtigen, zünftigen Lederhosen, feschen Trachtenhemden, mit Huat oder ohne – pünktlich um halb zwoa traf man sich auf der Terrasse der Clubgastronomie, um sich auf einen ebenso lustigen wie sportlich anspruchsvollen Nachmittag einzustimmen. Und d’Damen? Ja mei, die ham natürlich no ordentlich eins draufg’legt. Sie zeigten, dass auch sie „bayerisch können“ und ihren Männern in nix nachstanden. Ihre Outfits konnten sich wahrlich sehen lassen:  Glänzende Dirndl, kurze, traditionell bestickte Hosen, fesche Trachtenröcke und wunderschöne Stickereiblusen gaben sich ein Stelldichein. Und freili durften auch die passenden Trachtenhütchen nicht fehlen. Mal ehrlich: Wenn man dann auf dem weiten. grasgrünen Rund des Golfplatzes unterwegs is und im Hintergrund schon fast die Berge zu erahnen meint, hätt des Ganze genauso gut irgendwo am schönen Chiemsee stattfinden können.

Aber da hat sich mal wieder gezeigt: Selbst Münsterländer können bayerisch. Jawoll!

A Berg is a Berg! 

Hier in Steinfurt können wir zwar ned mit den Alpen aufwarten aber immerhin – ganz bescheiden natürlich – mit unserem stolzen, 110 Meter hohen Buchenberg! A Berg is a Berg!

Erst amoi a gscheide Brotzeit!

Nach und nach trudelten dann auch die Spielerinnen und Spieler ein. Und bevor irgendwer auf die Idee kam, mit leerem Magen auf die Runde zu gehen, hatte Ladies Captain Hanne Günster natürlich vorgesorgt: Es gab Kaffee und Brezn. Also genau des, was a Mensch braucht, bevor er versucht, einen kleinen, weißen Ball möglichst zielgerichtet über eine gepflegt Rasenfläche zu schicken.

Auf geht’s, Buam und Madln!“

Punkt halb drei hatten dann alle 40 teilnehmenden Buam und Madln ihre jeweiligen Löcher erreicht und beim Kanonenstart ging’s ab auf die Runde. Gespielt wurde im Format Chapman-Vierer. Für einige der Herren, die wir jetzt einfach liebevoll „münsterländische Bayern“ nennen wollen, zeigte sich allerdings schon bald: So a Lederhosn schaut zwar ausgesprochen zünftig aus – zum Golfspielen is sie aber ned unbedingt erfunden worden.

Vor allem die Hosenträger hatten ihren eigenen Kopf. Beim Ansprechen noch ordentlich auf der Schulter, beim Ausholen: Hoppala! war der Hosenträger unterwegs Richtung Oberarm. Da war dann neben einem guten Golfschwung durchaus auch a bisserl artistisches Talent gefragt, wenn der Ball trotzdem gezielt dort landen sollte wo er hingehörte

Platsch!

Wobei: Das mit dem gezielten Landen hat natürlich ned immer funktioniert Da machte es dann schon mal ganz zünftig „Platsch!“ – und der Golfball war im Teich.

A Lederhos’n is koa Klimaanlage!

Und noch ein weiteres Handicap mussten die Herren der Lederhosen tapfer auf sich nehmen: Unisono gaben’s nach der Runde freimütig zu: „I hab g’schwitzt  wie a Bär! Durch d’Lederhos’n is ja koa einziges Lüfterl durchkemma, und i bin förmlich im eigenen Saft g’standen. Aber schee war’s trotzdem!“

Und so strahlten die Golferinnen und Golfer den ganzen Nachmittag über mit der Sonne um die Wette. Herrlich war’s!

Gegen 17 Uhr waren dann auch die letzten Flights im Ziel und alle trafen sich wieder auf der Clubterrasse zur gemütlichen Runde und zur mit Spannung erwarteten Preisverleihung.

„O’zapft is!“

Nachdem Ladies Captain Hanne Günster – die übrigens für ihre großartige Organisation der rundum gelungenen Veranstaltung zurecht reichlich Dank und Anerkennung erfuhr – das allseits ersehnte und selbstverständlich obligatorische „O’zapft is!“  

verkündet hatte,war es amtlich: Bayern war endgültig in Stemmert angekommen! Und nach so einer Runde in der Lederhos’n war des freilich ned nur erlaubt, sondern praktisch schon medizinisch notwendig. Für alle die wollten hieß es: Ran ans kühle Blonde und ab damit in den Durst.

Jetzt wird abgerechnet! Preisverleihung!

Nach Auszählung der eingesammelten Scorekarten verkündeten Elke Wessing und Silke Jöken die Platzierungen. Die beiden engagieren sich ebenfalls im Ladies-Captain-Team und waren zudem für die herrlich bajuwarische Tischdekoration im Clubrestaurant verantwortlich.

Den dritten Platz erspielten sich mit 20 Nettopunkten und sieben Bruttopunkten Hanne Günster und Hermann Hertz. Der zweite Platz ging an Rita Wimber und Stephan Theilen mit 21 Nettopunkten und vier Bruttopunkten. Und mit 21 Nettopunkten und fünf Bruttopunkten sicherten sich Peter Günster und Elke Kemler-Ransmann den ersten Platz.

Alle Platzierten durften sich über wunderschön geschmückte Präsentkörbchen freuen. Und was war drin? Na, was wohl! Natürlich lauter original bayerische Leckerlichkeiten: Weißwürscht, süßer Senf, bayerisches Bier und klassischer Obazda. Mei, da läuft einem doch glatt das Wasser im Mund zam!

Aber damit war die Gaudi noch lange ned vorbei!

Pünktlich um 19 Uhr versammelten sich alle im Clubrestaurant Nossa Terra, wo Chefkoch Joao da Silva mit bayerischen Schmankerl aufwartete. Köstliches Sauerkraut, dampfendes Kartoffelpüree und goldbraun gebratener Leberkäs kamen auf die Tische, Und dann hieß es eigentlich nur noch: Zulangen, Buam und Madln! „Mei war das guad!“, raunten die Stimmen durch den Saal.

Schee war’s – aber sowas von!

Bis weit in den späten Abend hinein saß man gemütlich beinand. Es wurde g’redt, gelacht, gegessen und getrunken. Man ließ den Tag noch einmal Revue passieren und war sich vermutlich spätestens beim zweiten oder dritten Bier einig: Des war scho a ganz besondere Gaudi. Ein Golfturnier? Ja! Aber halt ned bloß irgendeins. Des war: Bayern im Münsterland. Mit Dirndl und Lederhos’n. Mit Brezn und Bier. Mit Obazda und Leberkäs. Mit Sonnenschein und Lederhos’n-Havarie. Mit Golfbällen im Teich. Und vor allem: Mit jeder Menge Spaß und guter Laune. Und deswegen is eigentlich jetzt schon klar: Des schreit nach Wiederholung! Denn wenn die Münsterländer einmal auf den Geschmack kommen, dann gibt’s koa Zurück. Und bis dahin gilt: Münsterländer können bayerischA bisserl was geht allerweil! Mei, war des a Gaudi.